
In dieser Woche sehen wir drei Schwerpunkte: erstens Gesundheit und Pflege (DRK Saarland, Medizin Campus Bodensee), zweitens Konsumgüter/Mode (Adolf Riedl, Pepco-Deutschland, Könitz Porzellan) und drittens Logistik/Industrie (Leipziger Logistik & Lagerhaus, Busunternehmen Würzburger & Co., Neapco/Automotive, Technopia/Automation, GridParity/Photovoltaik, C&S Software/IT). Der IWH-Trend bestätigt das Bild: Die Zahl der Firmeninsolvenzen liegt auf dem höchsten Niveau seit rund 20 Jahren.
Ich beginne mit dem Gesundheitssektor, weil er in dieser Woche gleich mehrmals im Fokus stand und systemische Fragen sichtbar macht – etwa Finanzierung, Personalkosten und Altlasten.
Beim DRK-Krankenhaus in Saarlouis hat der Träger, die DRK Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft mbH Saarland, ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Rund 800 Arbeitsplätze hängen daran. Als Gründe werden Altlasten und unvorhergesehene Ereignisse genannt. Operativ geht es um die Sicherung des Betriebs und die Neuaufstellung unter dem rechtlichen Schutzschirm der Eigenverwaltung; Ziel ist der Erhalt, nicht die Abwicklung. Für die Belegschaft bedeutet das: Löhne sind über das Insolvenzgeld gesichert, Strukturen und das Leistungsportfolio werden in den kommenden Wochen geprüft, parallel dazu laufen Gespräche mit dem Land und den Kostenträgern. Ich erwarte Sanierungs- und Leistungsanpassungen, jedoch keinen abrupten Versorgungsabbruch. 
Ebenfalls im Gesundheitswesen zeigt der Medizin Campus Bodensee (MCB), wie eine regionale Lösung aussehen kann. Nach dem Insolvenzantrag ist klar: Die Herzchirurgie am Standort Konstanz bleibt, allerdings organisatorisch integriert ins Klinikum Konstanz. Das ist mehr als Symbolpolitik; es stabilisiert die Maximalversorgung am See, bündelt Kapazitäten und reduziert Doppelstrukturen. Für Patientinnen und Patienten ist die Botschaft: Das Leistungsangebot bleibt erreichbar, die Governance wird gestrafft. Für die Region ist das der notwendige Weg zwischen medizinischer Qualitätssicherung und finanzieller Tragfähigkeit. 
Mit der IMMAC Holding rückt ein anderer sensibler Bereich in den Blick: Pflegeimmobilienfonds. IMMAC, über Jahre hinweg ein prominenter Akteur, hat ein Verfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Hinter der juristischen Form steht ein Top-Down-Druck: Zinswende, Bewertungsfragen bei Spezialimmobilien, Refinanzierung alter Strukturen, dazu Marktverwerfungen in der stationären Pflege. Operativ geht es um Portfolioprüfungen, Fonds- und Objektsanierungen sowie um eine geordnete Neuaufstellung der Holding. Für Anleger- und Bankenseite werden saubere Objekt-Business-Pläne und belastbare Betreiberkonzepte entscheidend sein; für Betreiber wiederum sind Liquiditätssicherung und Belegungsmanagement der Kern.
Aus der Industrie kommen zwei traditionsreiche Namen – und zwei sehr unterschiedliche Krisenursachen. Könitz Porzellan (Thüringen) hat nach 116 Jahren ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Die besondere Facette: Der Auslöser ist ein über Jahre hinweg laufender Rechtsstreit in Frankreich, der die Liquidität bindet. Rund 100 Mitarbeitende sind betroffen. In der Sache ist es denkbar, dass eine Vergleichslösung oder eine geordnete Fortführung mit Anpassungen in Produktion, Sortiment und Vertrieb möglich ist – das Geschäftsmodell ist nicht obsolet, aber kapital- und rechtspflichtig belastet.
Adolf Riedl (Bayreuth) – ein Traditionsunternehmen der Bademodenbranche – hat ebenfalls Insolvenz beantragt. Hier wirken die Kombination aus Konsumzurückhaltung, Preisdruck im Handel, hoher Saisonabhängigkeit und Vorfinanzierungsbedarf; häufig kommen Überhänge aus den Corona-Jahren hinzu. Vorläufiger Sachwalter ist – nach Medienberichten – Joachim Exner; die Gespräche mit potenziellen Investoren laufen. Nächste Schritte sind die Stabilisierung der Winter-/Frühjahrsvororder, ein schlankes Working-Capital-Management und – wenn möglich – eine eigenständige Markenführung mit digitalem Direktvertrieb als zweites Standbein.
Im maschinen- und elektroniknahen Mittelstand steht Technopia für ein verbreitetes Muster: einen plötzlichen Auftragseinbruch als Auslöser. Der bayerische Automatisierungsdienstleister meldete Insolvenz; parallel dazu läuft eine Investorenansprache. Für Kunden bedeutet das – je nach Projektstand – Neuverträge oder die Auslagerung kritischer Komponenten, für das Unternehmen eine Priorisierung margenträchtiger Aufträge und der schnelle Abbau nicht profitabler Linien. Der Case ist prototypisch für Dienstleister, die in 2021/22 stark gewachsen sind und nun zeitversetzt die gedämpfte Investitionsneigung spüren.
In der Logistik zeigt die Leipziger Logistik & Lagerhaus GmbH, wie eine Neuaufstellung funktioniert. Ziel ist eine Trennung in zwei Geschäftsbereiche (Transport vs. Lager/Services) – eine Maßnahme, die Transparenz schafft, Cash-Generatoren schützt und Investoren klarere Einstiegsoptionen bietet. In solchen Setups ist die saubere Zuordnung von Assets, Verträgen und Personal der Hebel für Geschwindigkeit; die Fortführungschancen steigen, wenn die Bereiche operativ entkoppelt werden können.
Das Busunternehmen Würzburger & Co. KG (Budenheim, „RheinMain-Express“) hat Insolvenz angemeldet. Die Flotte ist europaweit unterwegs; die Auftragslage hängt von öffentlichen Ausschreibungen und langfristigen Verträgen ab. Auslöser sind typischerweise gestiegene Kosten (Löhne, Energie, Ersatzteile) gegenüber gedeckelten Erlösen sowie Ausfälle in der Werkstattlogistik. Für Gläubiger sind die Werthaltigkeit der Fahrzeuge und die Fortführungserlöse entscheidend; für Auftraggeber die Sicherung der Verkehrsleistung – notfalls über Interimsvergaben.
PEPCO Germany – im Sommer in die Insolvenz gerutscht – baut bundesweit Filialen ab. Konkrete Schließungen, etwa in Eschwege (bis 31. Januar), zeigen: Der Discount funktioniert nicht automatisch, wenn Mieten, Personalkosten und Logistik den Preispunkt auffressen. Für Vermieter ist das Risiko leerstehender Mittellagen real; Kommunen müssen sich auf Frequenzverluste einstellen. Aus Sanierungssicht ist die harte Portfoliobereinigung folgerichtig: Nur Standorte mit klarer Deckungsbeitragskraft bleiben im Rennen.
Im Automotive-Zulieferökosystem reiht sich Neapco (Standort Düren) in eine Reihe tiefgreifender Anpassungen ein. Nach dem Insolvenzantrag wurden großflächige Schließungen und Stellenabbau-Szenarien bekannt. Der Kernkonflikt: Übergangsantriebe, volatile OEM-Abrufe und das Investitionsfenster für neue Plattformen. Ohne belastbare Kundenzusagen für Nachfolgeaufträge ist die Fortführung an klassischen Standorten schwer zu finanzieren. Ich sehe tragfähige Lösungen nur, wenn Produkt- und Standortstrategie synchronisiert werden – oder wenn gezielt Teilbetriebe verkauft werden.
Im Energiesektor wirkt die Zins- und Regulierungswende in voller Breite. Die GridParity AG hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren angekündigt und verweist explizit auf die ausstehende beihilferechtliche Genehmigung für Teile des „Solarpaket 1“ (u. a. der Einspeisevergütung). Das zeigt, wie eng Investitionsentscheidungen von Förderrahmen und Planungssicherheit abhängen. Operativ werden jetzt Projekte priorisiert, die ohne Zuschläge auskommen oder kurzfristig realisierbar sind; strukturell bleibt die Nachfrage nach PV robust – die Finanzierungslücken sind jedoch real.
C&S Computer und Software GmbH (Augsburg) – ein Spezialist für Software in der Sozialwirtschaft – hat ebenfalls einen Insolvenzantrag gestellt, während die Konzerneinbindung (C&S AG) laut Berichten nicht betroffen ist. Der Case illustriert die „Sandwichposition“ vieler Branchensoftwareanbieter: steigende Entwicklungskosten, Fachkräftemangel, zugleich Budgetdruck bei Trägern und Kostenträgern. Nächste Schritte sind die Sicherung des Supports für Bestandskunden, der Fokus auf Kernmodule mit hoher Zahlungsbereitschaft und – mittelfristig – auf Partnerschaften statt auf Vollsortiment. Dass die Firma seit Jahrzehnten in der Sozialwirtschaft verankert ist, erhöht die Sanierungschancen, wenn die Produkt-Roadmap konsequent gestrafft wird. 
Ein Lichtblick aus der Robotik: Naïo Technologies (Agrarroboter) meldet nach der Insolvenz die Neuaufstellung. Für die Branche ist das wichtig, weil autonome Feldroboter genau dort Effizienzgewinne versprechen, wo Arbeitskräfte knapp sind. Der Hebel liegt in der industriellen Fertigungstiefe, der Service-Ökonomie (Wartung, Ersatzteile) und den belastbaren Händlernetzen – ohne diese Grundlagen ist High-Tech im Feld nicht rentabel. Die Meldung belegt: Technologie allein reicht nicht, aber mit industrieller Disziplin lässt sich das Modell sanieren.
Schließlich ein Blick auf die Makrolage: Der IWH-Insolvenztrend signalisiert seit Monaten erhöhte Fallzahlen; verschiedene Auswertungen sprechen – je nach Monat – vom höchsten Niveau seit rund zwei Jahrzehnten. Das ist kein singulärer Schock, sondern eine Normalisierung nach zehn Jahren Niedrigzins, gefolgt von einer Zinswende, einem Energiekostensprung und Nachfragedellen. Ich sehe keine „Welle“ im Sinne eines Tsunamis, sondern eine harte, über Sektoren hinweg verlaufende Ebb- und Flutbewegung: Textil/Mode, Bau/Immobiliennähe, einzelne Automotive-Segmente, Teile der Gesundheitsversorgung und kapitalsensitive Energietechnik.
Über alle Fälle dieser Woche zieht sich ein roter Faden: Zinskosten, Preis-/Kostenscheren, verzögerte Nachfrage sowie Regulierungs- bzw. Rechtsrisiken. Im Gesundheitssektor dominieren Altlasten, Tariferhöhungen und die Unwucht zwischen Versorgungsauftrag und Finanzierungssystem; die DRK-Eigenverwaltung in Saarlouis und die Konsolidierung am Bodensee zeigen den Korridor realistischer Lösungen – die Fortführung mit schlankerem Setup und engerer regionaler Steuerung. In der Pflegeimmobilien-Ökonomie treffen Fondslogiken auf Betreiberwirklichkeit; IMMAC steht damit stellvertretend für eine Branche, die in den Nullzinsjahren gewachsen ist und nun rentabilitätsfest gemacht werden muss.
In der Traditionsindustrie (Könitz, Adolf Riedl) treten unterschiedliche Risikoprofile zutage: Bei Könitz schlägt ein juristischer Langläufer durch – Mahnung, wie teuer Rechtsstreitigkeiten über Grenzen hinweg werden können. Bei Riedl kumuliert Marktdruck (zähe Konsumlage, Handelspower, Saisonalität) mit Vorfinanzierung – ein Klassiker im textilen Mittelstand. In beiden Fällen sind die Markenwerte intakt; die Frage ist, ob sich mit striktem Working-Capital-Management und einem fokussierten Sortiments-/Vertriebsmix wieder ausreichend freie Mittel erwirtschaften lassen oder ob ein strategischer Partner erforderlich ist.
Automobilzulieferer wie Neapco kämpfen mit Transformationskosten und unsicheren Volumenzusagen; in solchen Situationen entscheidet die Nähe zu Serienanläufen über Leben und Tod. Ohne harte Kundencoverage bleibt die Standortdebatte abstrakt – und endet oft im Rückzug. Logistikfälle wie bei Leipziger Logistik & Lagerhaus zeigen, wie die Segmentierung (Transport vs. Warehousing) die Investorenfähigkeit erhöht. Im Discount-Handel (PEPCO) ist die Wahrheit schlicht: Nicht jeder Standort trägt – bei hohen Mieten und Personalkosten sind radikale Portfolioprüfungen unvermeidlich.
Die Energie-/PV-Meldungen (GridParity) erinnern daran, dass Regulierungsdetails Investment-Cases kippen können. Beihilferechtliche Genehmigungen und Vergütungssätze sind nicht „Papierkram“, sondern Cash-Treiber; Unternehmen mit einem resilienten Projekt-Mix und geringerer Förderabhängigkeit sind im Vorteil. Robotik (Naïo) bestätigt: Technologie braucht Industrialisierung, sonst bleiben die Kostenkurven zu steil. Branchensoftware (C&S) schließlich sitzt im Sandwich – hier entscheidet die Fokussierung auf margenträchtige Kernmodule und verlässlichen Service über die Sanierungsfähigkeit.
Was bedeutet das für den deutschen Insolvenzmarkt?
Wir schließen die Woche mit einer einfachen, aber erfahrungsgesättigten Empfehlung: Wer Symptome erkennt – etwa Auftragseinbruch, angespanntes Working Capital, kritische Rechtsrisiken, unsichere Refinanzierung – sollte nicht warten, bis die Liquidität die Agenda diktiert. Ich sehe mir solche Situationen gern frühzeitig an, strukturiere die Handlungsoptionen (von der stillen Restrukturierung über eine geordnete Eigenverwaltung bis zur gezielten Investorenansprache) und lege eine belastbare Priorisierung vor – diskret, faktenbasiert und mit klarem Fokus auf den Werterhalt.
Quellen (Auswahl zu den Fällen dieser Woche): DRK Saarlouis (Eigenverwaltung, ca. 800 Beschäftigte) und Trägerinfos; MCB/Herz-Zentrum Konstanz Integration; IMMAC Holding (Eigenverwaltung); Könitz Porzellan (Insolvenzantrag, Hintergründe Rechtsstreit, Größenordnung Personal); Adolf Riedl (Insolvenzantrag, vorläufiger Verfahrensstand); Technopia (Auftragseinbruch, Investorensuche); Leipziger Logistik & Lagerhaus (Neuaufstellung); Würzburger & Co. KG (Bus, Insolvenzantrag); PEPCO Germany (Filialschließungen in Eschwege); Neapco (Werk Düren, Beschäftigte); GridParity (vorläufige Insolvenz, beihilferechtliche Genehmigungen); C&S Computer und Software (Insolvenzantrag, Branchenschwerpunkt); Makrolage IWH/WiWo.